Naturwissenschaften und Mathematik
für Schule, Auszubildende und Studenten, Bildungsträger und Schulen

Studienzweifel - schon im 92.Semester und noch kein Abschluss in Sicht ?

Sicher nicht ganz so schlimm, aber gerade im fortgeschritteneren Alter jenseits der 30 kommen Familiengründung, Geld verdienen und gleichzeitig ein aufwendiges Studium zusammen und verhindern ein konsequentes Nur-Studium.

Ich kann das ganz gut nachverfolgen, denn mein Mathematikstudium ist auch als Zweitstudium gelaufen. 

Für eine kurze Orientierung und die Vorstellung Ihres Falles können Sie mir eine schriftliche Darstellung Ihres Falles mailen, sodass wir in einer kurzen (kostenlosen) Besprechung überlegen können, was bei Ihnen entsprechend zielführend sein kann. Sie haben heutzutage deutlich mehr Möglichkeiten als Sie glauben ! 


Für Studientipps lasse ich mich im Übrigen ebenfalls gerne ansprechen. Ein paar Dinge würde ich dabei aus eigener Erfahrung durchaus kritisch sehen: Machen Sie einen großen Bogen um rein theoretische Studiengänge ohne erkennbare berufliche Praxis – und seien Sie besonders vorsichtig bei allem, was „Bio“ im Namen trägt. Glauben Sie mir: Da kenne ich mich (als Diplombiologe!) aus.

Ingenieurstudiengänge leiden häufig unter fehlendem Praxisbezug- bitte machen Sie in Ihren Semesterferien Praktika, bauen Sie selbst Maschinen und Strukturen auf und fassen Sie auch mal Bohrmaschine und Schweißgerät an. Hier kann ich schon sagen, dass eine vorherige Ausbildung als Industriemechaniker oder Metallfacharbeiter sehr nützlich sein kann. Der Knackpunkt im Studium ist der hohe Matheanteil mit hohen Durchfallquoten, die umso höher sind, je beliebter der Studiengang ist. Ohne Mathe geht hier praktisch gar nichts-sehen Sie zu, dass Sie ihre Kopfrechenfähigkeiten stärken und erwarten Sie nicht, dass Sie alles mit Ihrem Abitaschenrechner machen können. 

Bei Wirtschaftswissenschaftlern hat es sich schon herumgesprochen, dass hier die Ausbildung an Uni und FH keinesfalls ausreicht, sie führen zumeist von sich aus viele Praktika durch. Eine Bewerbung auf Traineestellen erscheint in den meisten Fällen zunächst angebracht. Sehr gute EDV-Kenntnisse sind hilfreich--denn aufgepasst, Sie konkurrieren mit den kostengünstigeren Ausbildungsberufen der Kaufleute, sollten daher einen Mehrwert für den Arbeitgeber bieten können. Mathematik ist im Studium sehr weit verbreitet, wenn auch auf keinem sehr hohen Level- mit einer 3 im Grundkurs und sehr viel Durchhaltevermögen ists zu schaffen. Wenn man Mathematik nicht mag - Finger weg !

 
Erwarten Sie auch nicht, dass ein Medizin- oder Pharmaziestudium plötzlich einfach wird, wenn Mathematik, Chemie oder Physik bereits in der Schule erhebliche Probleme bereitet haben. Das heißt nicht, dass ein solches Studium unmöglich ist – aber man sollte den notwendigen Aufwand realistisch einschätzen. Am besten vorher beginnen und sich nicht im Semestersog davon überrollen lassen - Rücksicht wird hier eher nicht genommen, hier werden auch massiv die Ellenbogen genutzt, insbesondere gegenüber älteren Studenten. Wenn Sie sich überfordert fühlen - manchmal ist weniger mehr. 2 bestandene Klausuren sind besser als 6 durchgefallene, zumal die Anzahl der Wiederholungen beschränkt ist. 

Naturwissenschaftliche Studiengänge--ohne Mathematik--sind nicht unbedingt in der freien Wirtschaft gefragt, hier sollte man unbedingt eine Promotion planen (3-7 Jahre zusätzlich...), ohne die wird es schwierig. Im medizinischen Bereich ist so etwas mittlerweile einfacher zu bekommen, aber um schnell zu einem lukrativem Job zu kommen gibts einfachere Wege. Für Mathematiker gilt es genau anders herum, als z.B. Masterabsolvent gibt es Möglichkeiten in der Versicherungsmathematik, als Doktor wird man gerne als überqualifiziert angesehen.

Wählen Sie außerdem nicht allein nach dem Ruf oder Ranking einer Universität. Eine vermeintliche „Elite-Uni“ ist nicht automatisch die beste Hochschule für Sie. Riesige Massenbetriebe, Studenten in den Gängen der Hörsäle, mit der Einführung des Professors "Ende des Semesters gibts hier richtig viel Platz" sind nicht zuträglich für Studienerfolge. Entscheidend sind nicht hohe Durchfallquoten, sondern Studienaufbau, Betreuung, Prüfungsbedingungen, Praxisbezug und die Frage, ob sich das Studium mit Ihrer persönlichen und finanziellen Situation überhaupt vernünftig verbinden lässt.
Gerade deshalb bin ich inzwischen ein großer Freund dualer und berufsbegleitender Studiengänge. Sie verbinden praktische Berufserfahrung mit einem Hochschulabschluss und lösen bei einem dualen Studium gleichzeitig einen wesentlichen Teil des Finanzierungsproblems durch die Vergütung des Arbeitgebers.

Auch das Ausland muss man nicht aus dem Blick verlieren. Die Lebenshaltungskosten können außerhalb der Hauptstädte wesentlich niedriger sein, und mit Englisch kommt man als verständiger Abiturient erstaunlich weit, wenn man es täglich anwendet. Durch Bologna und ECTS sind Studienleistungen innerhalb Europas heute wesentlich besser vergleichbar und häufig auch anrechenbar – prüfen Sie die Anerkennung der konkreten Hochschule und des Studiengangs aber unbedingt vorher. Statt also hier ewig auf einen Studienplatz wegen des Numerus clausus zu warten, werfen Sie ruhig einmal einen Blick über die Grenzen Ihres Heimatdorfes hinaus. :)

Ich höre mir auch gerne die Erfahrungen von anderen Absolventen an, vielleicht gibt es da ja neue Informationen !


Gerade bei schwierigen Prüfungsphasen kann eine frühzeitige Prüfungsberatung sinnvoll sein: Welche Klausuren sollte man zuerst schreiben, welche besser verschieben, wo liegen die typischen Durchfallrisiken und wie bereitet man sich strategisch auf Erst- und Wiederholungsprüfungen vor?



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